Das Netzwerk Disability Studies versammelt behinderte und nichtbehinderte Forschende aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Sie eint, dass sie Behinderung nicht als behandlungsbedürftiges Problem verstehen, sondern als gesellschaftliche Differenzkategorie untersuchen.

Seit 2002 etablieren sich die Disability Studies im deutschsprachigen Raum und sind an einzelnen Instituten und Fachbereichen verankert. Die Disability Studies sind in Großbritannien und den USA in den 1980er und 1990er Jahren entstanden. Ihren Ursprung haben sie in deren politischen Behindertenbewegungen und in der kritischen Medizinsoziologie.

Der transdisziplinäre Wissenschaftsansatz versteht Behinderung nicht als natürliche Tatsache, sondern fragt nach Diskursen und Ideologien, die bei der Kategorisierung und Deutung von Behinderung eine Rolle spielen. Außerdem untersuchen die Disability Studies gesellschaftliche Praxen im Umgang mit als behindert kategorisierten Menschen. Sie grenzen sich von anderen „Behinderungswissenschaften“ ab, die Behinderung aus einem defizitorientierten, medizinisch-pädagogischen Blickwinkel betrachten.

Akteur*innen der Disability Studies sind neben behinderten und nichtbehinderten Wissenschaftler*innen auch Aktivist*innen und Künstler*innen. Das Erfahrungswissen behinderter Menschen hat in den Disability Studies ein großes Gewicht. In Entscheidungsgremien ist ihre Mehrheit verankert.